Zusammengefasster Bericht:
Seit ich hier angekommen bin, habe ich sehr viel erlebt. Die ersten anderthalb Monate habe ich in Bogota gewohnt, wo wir ein Einfuehrungsseminar,Projektbesuche und einen Sprachkurs von 60 Stunden hatten.
Während meiner Zeit in Bogota hatte ich die Möglichkeit, mehrere Museen zu besichtigen, einheimische Märkte zu sehen, mir ein Fussballspiel der grössten Vereine in Bogota anzugucken und einen Juwelierladen in Bogota zu besuchen.
Ein grosser Unterschied hier zu Deutschland ist sicherlich die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, die man hier fast überall mit bekommt.
Jedoch gefällt es mir in Kolumbien sehr gut und Kolumbien ist ein wunderschönes Land!
Das Einfuehrungsseminar von der Organisation vor Ort war sehr gut. Hier haben wir (Es sind insgesamt 18 Freiwillige hier) viel über soziale Arbeit, das Leben in Gastfamilien und über das Land Kolumbien erfahren. Auch hatten wir genügend Gelegenheit, die anderen Freiwilligen kennen zu lernen. Meiner Meinung nach hätte es kein besseres Seminar geben können. Auch das Team ist sehr nett. Es sind 3 Hauptmitarbeiter und viele Ehrenamtliche.
Auf dem Seminar gab es auch eine Präsentation über Kolumbien, die sehr beeindruckend war:
Zuerst wurden Filme gezeigt, die Kolumbein zumeist aus positiver Sicht dargestellt haben. Vor allem die Lebensart, Freude und die Vielfältigkeit der Natur wurden sehr betont.
Bei der zweiten Praesentation wurden uns Bilder vorgeführt von den vielen schlimmen Dingen, die hier passieren, Bettler, hungernde Kinder, zu haufen erschosssene Menschen, Militaerpatrolien und Bombenatentate der Guerilla. Beeindruckend bei den Bildern war, dass man die Gesichtsausdrücke der Menschen wahrnehmen konnte.
Durch beide Praesentationen sollten wir wortlos gehen und es hat uns denk ich alle getroffen.
Später haben uns die Kolumbiander erzählt, wie es für sie ist, wie man ihr Land im Ausland sieht und was es mit ihnen macht, wenn sie am Zoll immer doppelt kontrolliert werden (Kolumbien, das als Land der Drogen verschrien ist).
Wer ganz ganz viele Leute auf einen Haufen sehen will, der komme bitte nach Bogota. Ich war schon in Paris,London,Chicago und Boston, aber noch nie habe ich so viele Menschen gesehen wie hier in Bogota. Die Stadt ist so riesig und es gibt so viel zu sehen. Die Menschen sehen hier alle verschieden aus, trotzdem fallen Europaer auf. Fast alle Leute sind super freundlich und sehr hilfsbereit. In der Stadt gibt es unmengen Museen, Tanzbars und Events.
Zu den vielen Menschen kommt ein enormes Verkehrschaos. Wenn man die Strassen entlang fährt, hat man das Gefühl, man ist in dem reinsten Autopark.
Das beruehmteste Museum in Bogota ist das Goldmuseum, wo Gebrauchsgegenstände(meistens aus Gold) der praekolumbianischen Kulturen gezeigt werden. Es ist beeindruckend zu sehen, wie weit diese Kulturen schon entwickelt waren, als wir noch im tiefsten Mittelalter gesteckt haben.
In der Gegend wo ich in Bogota wohne, sind viele Hauser mit hohen Zäunen abgesichert und es gibt immer Pförtner für die Türen und Garagen. Ausserdem bemerkt man hier überall(aber auch in ganz Bogota) eine ziemliche Millitärpraesens. Dies ist erst mal befremdend, auf der anderen Seite fühlt man sich irgendwo auch sicherer. Der Norden, wo meine vorlaufige Gastfamilie wohnt, gilt generell viel reicher als der Sueden.
In der Familie,wo ich wohne,fühle ich mich sehr wohl und wir machen viele Sachen zusammen. Jeden Sonntag mache ich Fahrradtouren mit meinem Gastvater, wo ich die Gelegenheit habe, die Gegend besser kennen zu lernen.
Abends musizieren wir zusammen und ich habe schon einige kolumbianische Lieder gelernt (Auf der Guitarre).
Auch hatten wir die Moeglichkeit, mit den anderen Freiwilligen ein wenig die Gegend zu erkunden. Was sehr interessant ist, das sich das Klima hier schlagartig ändert, sobald man ein wenig aus den Bergen rauskommt (Bogota liegt auf 2600 Meter Höhe). Wenn man weiter ins Tal kommt, liegt der Jahresdurchschnitt etwa bei 30 Grad. Hier in Bogota ist es ein Durchschnitt von 16 Grad. Die Temperatur bleibt das Jahr mehr oder weniger konstant. Eine Regensaison gibt es normalerweise im Oktober. Ich habe hier schon einige Tiere gesehen (vor allem Vögel),die doch sehr an einen Film in den Tropen erinnern. Auch gibt es hier unmengen von Früchten, die ich gar nicht kannte.
Mein Projekt:Tanai Jawa
Das Projekt, für das ich arbeite, heisst Tanai Jawa. Dies bedeutet in der indigenen Sprache soviel wie ¨gutes Herz¨ (buen corazon). Das Projekt hat viele Zweigstellen, die meisten davon jedoch in Bogota. In Bogota dürfen nur ausgebildete Leute arbeiten. Viele der Projekte sind in den ärmsten Gegenden Bogotas. Hier wird mit Armen, Alten,Jungen und Behinderten gearbeitet.
Unser Projekt, eine Zweigstelle Tanai Jawas (Ich arbeite mit Inka, einer Deutschen zusammen) liegt in dem Dorf Sora, Boyaca. Das Dorf befindet sich zwischen der Provinzhauptstadt Tunja und einem der berühmtesten Südamerikanischen Kolonialdörfer Villa de Leyva.
Unser Projekt hat folgende Ziele: Gewaltpräventation (Gegen Partizipation in Gewaltgruppen wie Guerrillas oder Paramilitärs), Drogenpräventation (Drogen sind auf dem Land noch ein grösseres Thema als in der Stadt), Bildung, sowie den Kindern Ablenkung verschaffen. Ablenkung deshalb, weil die meisten Kinder schon sehr jung arbeiten müssen. Vor allem auf dem Land, wo sie statt mit Gleichaltrigen zu spielen, auf dem Feld mithelfen. Kinderarbeit ist hier ein grosses Problem und man sieht es auch in Bogota. In sofern werden wir dafür sorgen, dass die Kinder zwischendurch die Gelegenheit haben, etwas anderes zu tun.
Wir werden für Kinder und Jugendliche folgende Aktivitäten anbieten: English und Deutschunterricht, Musik und Gesang, Handwerksarbeit und kreatives Arbeiten, sowie einfach nur Spiele.
In der Zeit, die wir in Bogota verbracht haben, haben wir einige der Zweigstellen des Projektes hier in Bogota kennen gelernt.
Ein Projektbesuch im Stadtteil Suba in Bogota war sehr beeindruckend.
Das Projekt in Suba dient dazu, dass die Leute aus der Gegend zumindest einmal am Tag eine Mahlzeit bekommen können (umsonst).Jedoch gibt es auch Arbeitsgruppen, wie zum Beispiel für schwangere Frauen. Das Projekt hat 3 Hauptmitarbeiter und zwei Köchinen. Insgesamt kommen 500 Kinder und Erwachsene hier hin und beziehen Essen!! Diese Leute haben weniger als nur gar nichts.
Da alle Leute, die hier hin kommen, in einer Akte verkerkt sind, hatten wir einen kleinen Einblick in die Lebenssituation einer Familie:
Eine Mutter und 4 Kinder haben im Monat 50 Euro (150.000 Pesos) als Lebensunterhalt, sonst nichts!!! Das sind 10 Euro pro Familienmitglied im Monat! Davon muss die Mutter gucken, dass sie ihre vier Kinder ernährt.Die meisten Menschen,die in diesem Viertel wohnen, sind vertriebene Binnenfluechtlinge.
Alles in allem war es hier in Bogota eine tolle und beeindruckende Zeit!!